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Einhornkrönung

Prinzessin Mirabella Kunigunda klammerte ihre Beine um die Flanken des dahinrasenden Einhorns. Charlie war ihr bester Freund und langjähriger Kampfgefährte. Sie waren seit 76 Wettkämpfen ungeschlagen.

„Jetzt schmeiß das Ding endlich! Ich bin nicht mehr der Jüngste“, keuchte Charlie.

„Lenk mich nicht ab, sonst treff ich nicht!“, schnaubte sie zurück.

Einhornkrönung war ein schwieriger Sport, nur was für knallharte Prinzessinnen und wackere Einhörner. Die Wettkampfteams traten im Zweikampf gegeneinander an. Die Prinzessinnen mussten ihr Krönchen auf das Horn des gegnerischen Einhorns werfen und dabei mussten die Einhörner gleichzeitig verhindern, dass die Krone der Rivalin auf ihrem Horn landete. Das erforderte präziseste Koordination. Und Ausdauer, denn die Wettkampfarena war ziemlich groß.

„Echt, ich beantrage hiermit den Ruhestand!“, stieß Charlie nach Luft ringend hervor.

„Quatsch nicht, lauf!“, blaffte die Prinzessin zurück.

„Soviel zur prinzessinnenhaften Höflichkeit“ brummelte Charlie.

„Klappe halten“, erwiderte Mirabella Kunigunda, auf das andere Einhorn namens Wolkenschnuppe und seine Reiterin fixiert.

Sie blickte geradewegs in Prinzessin Violetta Krokettas Augen. Darin sah sie dasselbe entschlossene Lodern, das auch in ihr selbst brannte.

„Heute ist der Tag, an dem ich euren Siegeszug beende, ihr Witzfiguren!“, schleuderte ihr die Rivalin entgegen.

„Vergiss es, mit deinen labberigen Ärmchen triffst du doch gar nichts“, brüllte sie zurück.

Es gehörte zum guten Ton des Wettkampfs, sich erst mal ordentlich zu beleidigen.

„Mein Arm ist nicht so labberig wie dein altersschwacher Gaul“, höhnte Violetta Kroketta und warf ihr Krönchen in Richtung Charlie.

Auf einmal schien Charlie seine Altersschwachheit vergessen zu haben. Er stieg vor Wolkenschnuppe in die Höhe, sodass Violetta Krokettas Krone an ihm vorbeisegelte und Wolkenschnuppe abrupt zurückwich. Erschrocken klammerte sich Violetta Kroketta an seiner Mähne fest. Mirabella Kunigunda dagegen, die ihre Beine wie eine Zange um Charlie klemmte, ließ sich nicht beirren. Schneller als ein Einhornblinzeln hatte sie ihr Krönchen von ihrem Kopf gerissen und schleuderte es auf Wolkenschnuppes elfenbeinfarbenes, schillerndes Horn. Noch bevor Charlies Hufe den Boden wieder berührten, rollte eine Welle des Jubels von dem Rängen der Zuschauer über Mirabella Kunigunda und Charlie hinweg. Sie hatten gewonnen. Ihr 77. Sieg in Folge.

„Und, soll ich deinen Ruhestandsantrag jetzt annehmen?“, fragte die Prinzessin ihren besten Freund beim anschließenden Siegeschmaus.

Es gab Zitronentörtchen, und zwar die Sorte, die nur die Tuniersieger serviert bekamen. Charlie liebte sie über alles. Ein Blick in seine verzückten Augen und auf sein mit Zitronencreme verschmiertes Maul reichte ihr, um zu wissen, dass seine Antwort „Neee!“ lauten würde.

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